Baustelle am Mainfranken Theater Würzburg im August 2021: der Neubau des Kleinen Hauses, daneben das eingerüstete Bestandsgebäude
Nächster Akt: Stadtrat, 22.10.2026, 15 Uhr

Das Theater ums Theater.

242 Millionen Euro für ein Theater, mehr als dreimal so viel wie 2018 beschlossen. Was passiert ist, wer entschieden hat und wer die Rechnung bekommt, erzählt in fünf Akten. Grundlage sind die Unterlagen für den Werkausschuss am 7. Oktober 2026.

Entwicklung der Projektkosten
2018
71,65 Mio. €Baubeschluss und Förderantrag
2021
103 Mio. €Neuer Kostenrahmen durch den Stadtrat
2026
242 Mio. €Kostenprognose der Projektsteuerung
2063
364,5 Mio. €Baukosten plus 122,5 Mio. € Zinsen bis zur letzten Rate
Die 122,5 Mio. € Zinsen sind in den 242 Millionen nicht enthalten. Geplant war die Fertigstellung 2022, jetzt ist es 2030. Die letzte Kreditrate wird 2063 fällig.
Foto: Wolfgang / WürzburgWiki, Ausschnitt, bearbeitet, unter gleicher Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 DE
1. Akt · Wie es dazu kam

Premiere 2022, verschoben auf 2030

Ein Förderbescheid, der nie angepasst wurde. Planer, denen gekündigt wurde. Acht Jahre Verzögerung, in denen die Baupreise gestiegen sind. Die Chronik von 2018 bis zur letzten Kreditrate.

  1. 2018
    StadtratBaubeschluss: 71,65 Mio. €Sanierung und Erweiterung werden beschlossen, der Förderantrag an den Freistaat geht raus. Fertig sein soll alles 2022.
  2. 26.09.2019
    Freistaat BayernFörderbescheid: 50,3 Mio. €Berechnet auf rund 72 Mio. € Baukosten. Dieser Betrag ist bis heute die eingeplante Förderung.
  3. 2021
    StadtratNeuer Kostenrahmen: 103 Mio. €Der erste große Sprung. Die Förderung bleibt auf dem Stand von 2019.
  4. 2022
    BaustelleGeplante Fertigstellung verstreichtDie Bauarbeiten stocken. Baupreissteigerungen machen am Ende 63 Mio. € aus, ein großer Teil davon wegen der Verzögerung.
  5. Sommer 2022
    Eigenbetrieb und PlanerPlanerwechselDen ursprünglichen Planern (PFP) wird gekündigt, im Januar 2023 übernimmt FMP. Allein die Folgekosten des Wechsels: 24 Mio. €. Mit PFP laufen Rechtsstreitigkeiten.
  6. Juli 2023
    SteuerungsgruppeFunkstille bis Januar 2026Die Steuerungsgruppe des Projekts tagt zweieinhalb Jahre lang nicht.
  7. Dez. 2023
    BaustelleEröffnung des Neubaus mit dem Kleinen HausDer erste Bauabschnitt geht in Betrieb. Die Sanierung des Großen Hauses steht noch aus.
  8. April 2025
    Architekten FMPMail an OB Schuchardt: über 250 Mio. €Die Planer schätzen die Kosten auf über 250 Mio. €. Die Zahl wird als „unqualifiziert“ abgetan.
  9. Okt. 2025
    Finanzplanung145,9 Mio. € Mittelabfluss bis 2029Eingeplant wird, was bis 2029 abfließt. Einen Gesamtrahmen für das Projekt gibt es nicht.
  10. 01.12.2025
    Oberbürgermeister Heilig„Da könnten wir genauso gut würfeln“Bei einer Podiumsdiskussion der Main-Post will OB Heilig keine Kostenschätzung nennen. Belastbare Zahlen kündigt er für Oktober 2026 an. Zu diesem Zeitpunkt sind in Landtag und Fachkreisen schon Zahlen über 200 Mio. € im Umlauf, und in der Verwaltung liegt seit April 2025 die Mail des Architekten mit über 250 Mio. €.
  11. 21.04.2026
    Steuerungsgruppe200 bis 230 Mio. € genanntAuf diese Sitzung verweist der OB später, als ihm Stadträte mangelnde Transparenz vorwerfen.
  12. Juni 2026
    Beschluss135 Mio. € beschlossenLaut Projektsteuerer nur, um die Zahlungsfähigkeit zu sichern, nicht als neuer Kostenrahmen.
  13. Ende Sept. 2026
    Main-PostErste Zahl wird öffentlichDie Main-Post berichtet über mögliche Baukosten im Bereich von 250 Mio. €. Für die neu besetzte Steuerungsgruppe ist das nach Aussage von Stadtrat Pilz die erste Warnung.
  14. 30.09.2026
    SitzungsunterlagenKostenprognose: 242 Mio. €Die Unterlagen für den Werkausschuss stehen im Ratsinformationssystem. Die Projektsteuerung beziffert die Gesamtkosten auf 242 Mio. €, davon rund 60 % belegbar und 40 % geschätzt. Finanziert werden sollen sie zu rund drei Vierteln über Kredite von 184,7 Mio. €.
  15. 07.10.2026
    WerkausschussEmpfehlung: 242 Mio. €Der Ausschuss empfiehlt die 242 Mio. € bei 2 Gegenstimmen und beschließt die neue technische Werkleitung bei 3 Gegenstimmen.
  16. 22.10.2026
    StadtratBefassung im StadtratDer Stadtrat stimmt über die im Werkausschuss vorberatenen Themen ab, darunter die neue Kostenprognose.
  17. 2030
    BaustelleNeue geplante FertigstellungAcht Jahre später als ursprünglich vorgesehen.
  18. 2063
    Stadt WürzburgLetzte KreditrateBis dahin zahlt die Stadt jedes Jahr Zinsen und Tilgung.
2. Akt · Die Verursacher

Warum es so teuer wurde

Die Projektleitung nennt vor allem Fehler der ursprünglichen Planer, den Planerwechsel und die Baupreise, die durch acht Jahre Verzögerung gestiegen sind. So setzen sich die 242 Millionen zusammen.

Ursprünglicher Projektumfang (2018)
71,6 Mio. €
Mehrkosten der bisherigen Projektabwicklung
+24,9 Mio. €
Folgekosten des Planerwechsels
+24,0 Mio. €
Baupreissteigerungen
+63,0 Mio. €
Korrektur ausstehender Arbeiten
+25,9 Mio. €
Mehrkosten Bauausführung inkl. Sicherheiten
+22,5 Mio. €
Sonstiges
+10,0 Mio. €
Kostenprognose 2026
242 Mio. €

Wie sicher ist die Zahl?

Nur ein Teil der 242 Millionen ist durch Aufträge und Rechnungen belegt. Der Rest ist eine Schätzung: Preissteigerungen bis 2030, Puffer für Nachträge und Unvorhergesehenes. Die Projektsteuerung selbst spricht von rund 60 % belegbaren und 40 % prognostizierten Kosten.

138 Mio. € belegbar
104 Mio. € Prognose
Belegbar: bekannte Kosten von 128 Mio. € plus 10 Mio. € Rückstellung für Rechtsstreitigkeiten.Prognose: Korrekturen von Leistungsumfang und Kostenansätzen (35 Mio. €), Baupreisindexierung (44 Mio. €), Rückstellung für Nachträge (14 Mio. €), Sicherheitszuschlag (11 Mio. €).
3. Akt · Die Rechnung

Wer zahlt das Theater?

Rund drei Viertel der Summe sind Kredite. Die Förderung des Freistaats ist auf dem Stand von 2019 geblieben, als das Projekt noch 72 Millionen kosten sollte. Tippen Sie auf einen Anteil.

Kredite des Eigenbetriebs: 184,7 Mio. €
75 % der Finanzierung. Davon sind 37,4 Mio. € bereits aufgenommen, rund 147 Mio. € kommen von 2026 bis 2033 neu dazu. Zins und Tilgung zahlt vollständig die Stadt. Laufzeit bis 2063, angenommener Zins 3,7 %, tilgungsfrei bis Mitte 2032.
Summen laut Finanzplan Sanierung (Stand 25.09.2026). Die Quellen ergeben zusammen rund 246 Mio. €, die Ausgaben inklusive Betriebsausstattung 243,75 Mio. €. Die Kredite von 184,7 Mio. € enthalten ebenfalls die Betriebsausstattung; ohne sie sind es rund 183 Mio. €. Die Differenz von rund 2,3 Mio. € wird im Plan über eine Zwischenfinanzierung ab 2034 ausgeglichen und ist nicht näher erläutert.

Wie das Geld fließt

Bauherr ist nicht die Stadt selbst, sondern ihr Eigenbetrieb Mainfranken Theater. Er nimmt die Kredite auf. Bezahlen muss sie trotzdem die Stadt.

Banken184,7 Mio. € KrediteFreistaat Bayern50,3 Mio. € FörderungBezirk und Landkreis6,0 Mio. €Stiftung und Spenden5,0 Mio. €EigenbetriebMainfranken TheaterBauherr, nimmtdie Kredite aufSanierung undErweiterung242 Mio. €Stadt WürzburgHaushalt, also dieSteuerzahlerZins- und Tilgungszuschuss2026: 2,1 Mio. €, 2033: 10 Mio. €/JahrZinsen und Tilgung bis 2063
Geld fließt hinRückzahlung: Zinsen und Tilgung
Die Kredite stehen beim TheaterAls Eigenbetrieb hat das Theater eine eigene Buchführung. Die Kredite tauchen deshalb nicht als Schulden im Kernhaushalt der Stadt auf, sondern im Wirtschaftsplan des Theaters.
Die Stadt zahlt jede RateLaut Wirtschaftsplan übernimmt die Stadt den fälligen Kapitaldienst in vollem Umfang. Sie überweist dem Theater jedes Jahr genau so viel, wie es an Zinsen und Tilgung an die Banken zahlen muss.
Die großen Raten kommen späterDie neuen Kredite sind bis Mitte 2032 tilgungsfrei. In der städtischen Finanzplanung bis 2030 bleiben die Zuschüsse daher moderat. Der Sprung kommt danach.
4. Akt · Ihr Eintrittspreis

Was kostet das Theater mich?

Umgerechnet auf alle Würzburgerinnen und Würzburger: rund 1.450 Euro Theaterkredit pro Person, mit Zinsen rund 2.400 Euro.

Basis: 127.810 Einwohner (Zensus). Nur die Kosten des Theaters, nicht die Gesamtverschuldung der Stadt. Zinsannahme 3,7 %, veränderbar unter Geld im Detail.
  • Kredite für das Theater184,7 Mio. €
    1.445 €
  • Kredite plus alle Zinsen307,2 Mio. €
    2.404 €
  • Gesamtprojekt inklusive Zinsen364,5 Mio. €
    2.852 €
  • Jährliche Rate 203310,0 Mio. € laut Finanzplan, 2034 im Modell 11,8 Mio. €
    78 € / Jahr
5. Akt · Ende offen

Was noch offen ist

Diese Fragen entscheiden darüber, wie teuer es für Würzburg am Ende wirklich wird.

  • Zahlt der Freistaat mehr?Eingeplant sind nur die 50,3 Mio. € von 2019. Das Theater will eine höhere Förderung erreichen, eine Zusage gibt es nicht.
  • Hält die Prognose?Rund 40 % der Kosten sind geschätzt. Weitere Verzögerungen treiben die Baupreise, jedes Jahr Bauzeit kostet zusätzlich.
  • Wie entwickeln sich die Zinsen?Gerechnet wird mit 3,7 %. Jeder Prozentpunkt mehr kostet bei rund 180 Mio. € Kredit anfangs etwa 1,8 Mio. € im Jahr.
  • Was bringen die Rechtsstreitigkeiten?Mit den gekündigten Planern laufen Verfahren. Ob und wie viel Schadensersatz zurückfließt, ist nicht eingeplant.
  • Gibt es Alternativen?Abriss und Neubau wurden grob mit 300 bis 330 Mio. € beziffert, darin sind aber rund 100 Mio. € bereits ausgegebene Kosten enthalten. Ein reduzierter Ausbau wurde nicht geprüft.
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