Premiere 2022, verschoben auf 2030
Ein Förderbescheid, der nie angepasst wurde. Planer, denen gekündigt wurde. Acht Jahre Verzögerung, in denen die Baupreise gestiegen sind. Die Chronik von 2018 bis zur letzten Kreditrate.
- 2018StadtratBaubeschluss: 71,65 Mio. €Sanierung und Erweiterung werden beschlossen, der Förderantrag an den Freistaat geht raus. Fertig sein soll alles 2022.
- 26.09.2019Freistaat BayernFörderbescheid: 50,3 Mio. €Berechnet auf rund 72 Mio. € Baukosten. Dieser Betrag ist bis heute die eingeplante Förderung.
- 2021StadtratNeuer Kostenrahmen: 103 Mio. €Der erste große Sprung. Die Förderung bleibt auf dem Stand von 2019.
- 2022BaustelleGeplante Fertigstellung verstreichtDie Bauarbeiten stocken. Baupreissteigerungen machen am Ende 63 Mio. € aus, ein großer Teil davon wegen der Verzögerung.
- Sommer 2022Eigenbetrieb und PlanerPlanerwechselDen ursprünglichen Planern (PFP) wird gekündigt, im Januar 2023 übernimmt FMP. Allein die Folgekosten des Wechsels: 24 Mio. €. Mit PFP laufen Rechtsstreitigkeiten.
- Juli 2023SteuerungsgruppeFunkstille bis Januar 2026Die Steuerungsgruppe des Projekts tagt zweieinhalb Jahre lang nicht.
- Dez. 2023BaustelleEröffnung des Neubaus mit dem Kleinen HausDer erste Bauabschnitt geht in Betrieb. Die Sanierung des Großen Hauses steht noch aus.
- April 2025Architekten FMPMail an OB Schuchardt: über 250 Mio. €Die Planer schätzen die Kosten auf über 250 Mio. €. Die Zahl wird als „unqualifiziert“ abgetan.
- Okt. 2025Finanzplanung145,9 Mio. € Mittelabfluss bis 2029Eingeplant wird, was bis 2029 abfließt. Einen Gesamtrahmen für das Projekt gibt es nicht.
- 01.12.2025Oberbürgermeister Heilig„Da könnten wir genauso gut würfeln“Bei einer Podiumsdiskussion der Main-Post will OB Heilig keine Kostenschätzung nennen. Belastbare Zahlen kündigt er für Oktober 2026 an. Zu diesem Zeitpunkt sind in Landtag und Fachkreisen schon Zahlen über 200 Mio. € im Umlauf, und in der Verwaltung liegt seit April 2025 die Mail des Architekten mit über 250 Mio. €.
- 21.04.2026Steuerungsgruppe200 bis 230 Mio. € genanntAuf diese Sitzung verweist der OB später, als ihm Stadträte mangelnde Transparenz vorwerfen.
- Juni 2026Beschluss135 Mio. € beschlossenLaut Projektsteuerer nur, um die Zahlungsfähigkeit zu sichern, nicht als neuer Kostenrahmen.
- Ende Sept. 2026Main-PostErste Zahl wird öffentlichDie Main-Post berichtet über mögliche Baukosten im Bereich von 250 Mio. €. Für die neu besetzte Steuerungsgruppe ist das nach Aussage von Stadtrat Pilz die erste Warnung.
- 30.09.2026SitzungsunterlagenKostenprognose: 242 Mio. €Die Unterlagen für den Werkausschuss stehen im Ratsinformationssystem. Die Projektsteuerung beziffert die Gesamtkosten auf 242 Mio. €, davon rund 60 % belegbar und 40 % geschätzt. Finanziert werden sollen sie zu rund drei Vierteln über Kredite von 184,7 Mio. €.
- 07.10.2026WerkausschussEmpfehlung: 242 Mio. €Der Ausschuss empfiehlt die 242 Mio. € bei 2 Gegenstimmen und beschließt die neue technische Werkleitung bei 3 Gegenstimmen.
- 22.10.2026StadtratBefassung im StadtratDer Stadtrat stimmt über die im Werkausschuss vorberatenen Themen ab, darunter die neue Kostenprognose.
- 2030BaustelleNeue geplante FertigstellungAcht Jahre später als ursprünglich vorgesehen.
- 2063Stadt WürzburgLetzte KreditrateBis dahin zahlt die Stadt jedes Jahr Zinsen und Tilgung.
Warum es so teuer wurde
Die Projektleitung nennt vor allem Fehler der ursprünglichen Planer, den Planerwechsel und die Baupreise, die durch acht Jahre Verzögerung gestiegen sind. So setzen sich die 242 Millionen zusammen.
Wie sicher ist die Zahl?
Nur ein Teil der 242 Millionen ist durch Aufträge und Rechnungen belegt. Der Rest ist eine Schätzung: Preissteigerungen bis 2030, Puffer für Nachträge und Unvorhergesehenes. Die Projektsteuerung selbst spricht von rund 60 % belegbaren und 40 % prognostizierten Kosten.
Wer zahlt das Theater?
Rund drei Viertel der Summe sind Kredite. Die Förderung des Freistaats ist auf dem Stand von 2019 geblieben, als das Projekt noch 72 Millionen kosten sollte. Tippen Sie auf einen Anteil.
Wie das Geld fließt
Bauherr ist nicht die Stadt selbst, sondern ihr Eigenbetrieb Mainfranken Theater. Er nimmt die Kredite auf. Bezahlen muss sie trotzdem die Stadt.
Was kostet das Theater mich?
Umgerechnet auf alle Würzburgerinnen und Würzburger: rund 1.450 Euro Theaterkredit pro Person, mit Zinsen rund 2.400 Euro.
- Kredite für das Theater184,7 Mio. €1.445 €
- Kredite plus alle Zinsen307,2 Mio. €2.404 €
- Gesamtprojekt inklusive Zinsen364,5 Mio. €2.852 €
- Jährliche Rate 203310,0 Mio. € laut Finanzplan, 2034 im Modell 11,8 Mio. €78 € / Jahr
Was noch offen ist
Diese Fragen entscheiden darüber, wie teuer es für Würzburg am Ende wirklich wird.
- Zahlt der Freistaat mehr?Eingeplant sind nur die 50,3 Mio. € von 2019. Das Theater will eine höhere Förderung erreichen, eine Zusage gibt es nicht.
- Hält die Prognose?Rund 40 % der Kosten sind geschätzt. Weitere Verzögerungen treiben die Baupreise, jedes Jahr Bauzeit kostet zusätzlich.
- Wie entwickeln sich die Zinsen?Gerechnet wird mit 3,7 %. Jeder Prozentpunkt mehr kostet bei rund 180 Mio. € Kredit anfangs etwa 1,8 Mio. € im Jahr.
- Was bringen die Rechtsstreitigkeiten?Mit den gekündigten Planern laufen Verfahren. Ob und wie viel Schadensersatz zurückfließt, ist nicht eingeplant.
- Gibt es Alternativen?Abriss und Neubau wurden grob mit 300 bis 330 Mio. € beziffert, darin sind aber rund 100 Mio. € bereits ausgegebene Kosten enthalten. Ein reduzierter Ausbau wurde nicht geprüft.
