Hinter den Kulissen · wer entscheidet

Wer beim Theater mitredet

Öffentlich abgestimmt wird im Stadtrat. Vorbereitet wird vieles in Gremien, die nichtöffentlich tagen. Hier steht, wer wo sitzt, was die Gremien tun und wann sie getagt haben.

So ist das Projekt organisiert

Organisation des Projekts laut Stadt Würzburg. Die dunklen Kästen führen zu den Abschnitten weiter unten.

Stadtrat der Stadt Würzburgöffentlich
Bauherr: Eigenbetrieb Mainfranken Theater
Beratung / ConsultantBaubetriebliche Leistungen
Projektteam Baureferat
Fachbereich Hochbau
Beratung und Unterstützung Projektteam
Koordination Vergaben
Projektteam Mainfranken Theater
Werkleitung (Dirk Terwey)
Projektteam zur Bauabwicklung
Vertretung des Nutzers und des Bauherrn
Anwaltliche Vertretung
Kommunikationsebene 1
ProjektsteuerungPfaller Ingenieure
Kommunikationsebene 2
Planungsteam
ObjektplanungHLSElektroBrandschutzTragwerkBauphysikBühnentechnikVerkehrsplanungVermesserFreianlagenIngenieurbau
Nicht im Organigramm der Stadt enthalten ist der Werkausschuss, der die Beschlüsse des Stadtrats zum Eigenbetrieb vorberät. Eigene Darstellung nach Angaben der Stadt Würzburg (Organigramm „Organisation des Projekts“, veröffentlicht von der Main-Post).
22.10.2026, 15 Uhr · Auf der großen Bühne

Stadtrat Würzburg

Der Stadtrat hat das letzte Wort. Sitzungen sind in der Regel öffentlich: Wer wissen will, wie über 242 Millionen Euro abgestimmt wird, kann sich dazusetzen oder die Sitzung im Livestream der Stadt auf YouTube verfolgen.

Nächste Sitzung · 11. Sitzung des StadtratesDonnerstag22.10.2026

Auf der Tagesordnung (TOP 12): die gestiegenen Kosten der Theatersanierung

Der Stadtrat stimmt über die Themen ab, die der Werkausschuss am 7. Oktober vorberaten hat, darunter die neue Kostenprognose von 242 Mio. € und die Finanzierung über weitere Kredite.

OrtRatssaal, Rathaus Würzburg
Uhrzeit15:00 Uhr

Was zur Entscheidung steht

01Neuer Kostenrahmen?242 Mio. € statt der 2021 beschlossenen 103 Mio. €.
02Weitere Kredite?Rund 147 Mio. € neue Kredite bis 2033, Zins und Tilgung aus dem Stadthaushalt.
03Mehr Geld vom Freistaat?Die Förderung steht auf dem Stand von 2019. Ob nachverhandelt wird, ist offen.
04Alternativen?Abriss und Neubau wurden grob mit 300 bis 330 Mio. € beziffert, inklusive rund 100 Mio. € bereits ausgegebener Kosten. Ein reduzierter Ausbau wurde nicht geprüft.

Mitspielen statt zuschauen

  • Öffentliche Sitzung besuchen, Platz im Zuschauerraum ist frei.
  • Von zu Hause zuschauen: Die Stadt überträgt die Sitzungen live auf YouTube.
  • Die Stadträtinnen und Stadträte Ihres Vertrauens vorab anschreiben.
  • Beschluss und Abstimmungsverhalten nachlesen, wir verlinken es hier.

Weitere Termine

Folgesitzungen werden ergänzt, sobald die Stadt sie veröffentlicht.

Sitzungskalender der Stadt ↗
07.10.2026 · Hinter der Bühne

Werkausschuss Mainfranken Theater

Der Ausschuss ist für den Eigenbetrieb Mainfranken Theater zuständig, also für den Bauherrn. Hier werden Finanz- und Wirtschaftspläne beraten, bevor der Stadtrat entscheidet. Wer wissen will, wie die 242 Millionen zustande kommen, muss hier hinschauen.

Aktuell07.10.2026

Finanzplanung und Kostenprognose zur Sanierung, Wirtschaftsplan 2026/27

Beratene UnterlagenFinanzplan 2026/27 bis 2030/31Finanzplan Sanierung (Stand 25.09.2026)Investitions- und Vermögensplan 2026/27Kostenprognose der ProjektsteuerungDiagramm Ursachen der Kostenentwicklung (29.09.2026)Wirtschaftsplan 2026/27 mit Lagebericht und Erfolgsplan
Für Verwaltung, Theater und PlanungDirk Terwey, Geschäftsführender Direktor Mainfranken TheaterDr. Daniel Morgenroth, Intendant Mainfranken TheaterBenedikt Stegmayer, Kultur-, Wissenschafts- und WirtschaftsreferentBenjamin Schneider, StadtbauratBeate Gross, StadtkämmerinMarc Pfaller, Projektsteuerer (Pfaller Ingenieure)Sven Franke, Architekt (FMP)

Die wichtigsten Aussagen

  • Ergebnis: Der Ausschuss empfiehlt dem Stadtrat die Kostenprognose von 242 Mio. € bei 2 Gegenstimmen. Die neue technische Werkleitung wurde bei 3 Gegenstimmen beschlossen.
  • Abriss und Neubau würden laut Projektsteuerer Pfaller (Pfaller Ingenieure) 300 bis 330 Mio. € kosten, Fertigstellung frühestens 2034. Keine Fraktion forderte den Abriss, alle Redner bekannten sich zum Weiterbau.
  • OB Heilig: Bei der Vorplanung seien „fundamentale Fehler“ gemacht worden. Realistisch wären von Anfang an 150 bis 160 Mio. € gewesen statt 72 Mio. €.
  • Woraus sich die 242 Mio. € zusammensetzen:
    • 128 Mio. €bekannte Kosten
    • 10 Mio. €Rückstellung für Rechtsstreitigkeiten
    • 35 Mio. €Planungskorrekturen
    • 44 Mio. €Baupreissteigerung
    • 25 Mio. €Puffer
    Rund 60 % davon sind belegt, 40 % geschätzt.
  • Finanzierung: Rund 181 bis 183 Mio. € Kredit und 122,5 Mio. € Zinsen bis 2063. Die Main-Post-Zahlen wurden als „im Grundsatz korrekt“ bestätigt. Eine höhere Förderung durch den Freistaat wird erhofft, ist aber nicht eingeplant. Dirk Terwey, Geschäftsführender Direktor des Mainfranken Theaters, sprach von einem „Worst-Case-Szenario“.
  • Transparenzstreit: Binder (ÖDP), Pilz (Grüne) und Wolfgang Roth (CSU) erklärten, beim Projektstart sei ihnen nie gesagt worden, dass realistisch 150 bis 160 Mio. € anzusetzen wären. Baumann (ZfW) kritisierte, der Ausschuss sei lange nicht informiert worden. Judith Roth (CSU), frühere Vorsitzende des Ausschusses, betonte, dass der Ausschuss seit 2024 von erheblichen Problemen an Dach und Fassade gewusst habe, daraus seien aber keine Konsequenzen gezogen worden. Der OB wies den Vorwurf der Intransparenz zurück und verwies auf die Steuerungsgruppe vom 21.04.2026, in der 200 bis 230 Mio. € genannt worden seien.
  • Architekt Sven Franke (FMP) sagte, er habe die Gesamtprognose „heute zum ersten Mal gesehen“.

Zusagen bis zur Stadtratssitzung oder zum Haushalt

  • ✓Aufteilung der Kosten nach Kostengruppen, angefragt von Hofmann (FWG)
  • ✓Informationen zu Fördermitteln vor den Haushaltsberatungen, angefragt von Ramona Wild (Linke)
Nichtöffentlich · seit 2013 · Im Souffleurkasten

Steuerungsgruppe Theatersanierung

Ein Stadtratsmitglied pro Fraktion, dazu kraft Amtes Oberbürgermeister, Theaterdirektor sowie Bau-, Kultur- und Finanzreferat. Laut Stadt zuständig für das Bauprogramm: Säle, Foyers, Fassade, Einrichtung. Die Sitzungen sind nichtöffentlich, Tagesordnungen und Protokolle werden nicht veröffentlicht.

Mitglieder aus dem Stadtrat seit Mai 2026
  • Matthias PilzGrüne
  • Wolfgang RothCSU
  • Jojo SchulzSPD
  • Josef HofmannFWG
  • Barbara MeyerÖDP
  • Wolfgang BaumannZfW
  • Ramona WildLinke
  • Ludwig MechlerAfD
Kraft Amtes: Oberbürgermeister, Theaterdirektor, Bau-, Kultur- und Finanzreferat

Sitzungen seit 2020

Zwischen dem 11. Juli 2023 und dem 15. Januar 2026 hat die Steuerungsgruppe zweieinhalb Jahre lang nicht getagt.

2023: zuletzt 11.07. · 2026: 15.01., 21.04., 13.07., 18.09.Quelle: Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg (Sitzungstermine und Mitglieder)
Nichtöffentlich · seit Dezember 2025 · tagt monatlich · In der Regie

Lenkungskreis

Laut Stadt zuständig für „Budgetplanung, Kostenentwicklung, Finanzierung, Förderungsszenarien und Terminplanung“. Er bereitet die Entscheidungen der politischen Gremien vor.

Mitglieder
  • Benjamin SchneiderBaureferent
  • Benedikt StegmayerKulturreferent
  • Dirk TerweyTheaterdirektor
  • Marc PfallerProjektsteuerer
Keine Stadtratsmitglieder

Im Lenkungskreis sitzen ausschließlich Verwaltung, Theaterleitung und Projektsteuerung. Gewählte Stadträtinnen und Stadträte sind nicht vertreten.

Quelle: Stadt Würzburg auf Anfrage der Main-Post
April 2025 · Ein Vorgang hinter den Kulissen

Die Mail, die niemand weitergab

Was belegt ist

Anfang April 2025 schreibt der Architekt des Büros FMP direkt an den damaligen Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Er warnt: Die Baukosten würden über 250 Millionen Euro liegen. Offiziell gilt zu diesem Zeitpunkt noch der Kostenrahmen von 103 Millionen Euro.

Schuchardt bestätigt die Mail auf Anfrage der Main-Post. Die Zahl sei ihm „nach Rückkopplung mit dem Projektmanagement wegen der unzureichenden Datenbasis unqualifiziert“ erschienen. Der Vorgang sei damit „erledigt“ gewesen. Es komme vor, dass Auftragnehmer „höhere Kosten ungefragt benennen“, etwa zum „Selbstschutz“ oder weil sich „Architektenhonorare prozentual aus dem Budget“ berechneten.

Die Warnung erreicht weder die Steuerungsgruppe, die von Juli 2023 bis Januar 2026 gar nicht tagt, noch den Werkausschuss oder den Stadtrat. Ob sie bei der Amtsübergabe im Juli 2025 an Martin Heilig weitergegeben wurde, weiß Schuchardt nach eigenen Worten nicht.

Achtzehn Monate später beziffert die Projektsteuerung die Kosten auf 242 Millionen Euro.

Was bis heute offen ist

  • Wer hat die Zahl als „unqualifiziert“ bewertet?Eine Projektsteuerung gab es im April 2025 noch nicht, sie begann erst im August 2025. Gemeint sein kann also nur das damalige interne Projektteam, die Werkleitung oder das Baureferat.
  • Auf welcher Grundlage?Gibt es eine schriftliche Bewertung oder einen Vermerk?
  • Wurde nachgefragt?Wurde der Architekt gebeten, seine Zahl herzuleiten, bevor sie verworfen wurde?
  • Wurde gegengeprüft?Wurde eine unabhängige Kostenschätzung beauftragt?

Unsere Einschätzung

Wenn der eigene Architekt warnt, dass ein Projekt mehr als doppelt so teuer wird wie geplant, und die Datenbasis tatsächlich unzureichend ist, wäre genau das der Anlass gewesen, eine belastbare Schätzung in Auftrag zu geben und die Gremien zu informieren, notfalls mit dem Hinweis, dass die Zahl unsicher ist. Stattdessen wurde der Vorgang intern für erledigt erklärt.

Wir halten diesen Umgang mit einer so deutlichen Warnung für nachlässig. Der Verdacht, der Architekt könnte aus Honorarinteresse übertreiben, hätte sich durch eine unabhängige Prüfung leicht ausräumen oder bestätigen lassen.

Quellen: Main-Post, Bericht von Benjamin Stahl (Oktober 2026); Sitzungstermine der Steuerungsgruppe im Ratsinformationssystem